Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit CO2 als Kältemittel (R744) und frage mich, ob das die Zukunft für Wärmepumpen ist. Man liest ja überall von den Umweltvorteilen - kein Treibhauspotential, nicht brennbar, natürlich verfügbar. Aber warum sieht man dann so wenige R744-Wärmepumpen auf dem Markt?
Ich plane für nächstes Jahr eine neue Anlage und bin am überlegen, ob es sich lohnt zu warten bis mehr CO2-Systeme verfügbar sind. Die paar Hersteller die sowas anbieten sind ja noch ziemlich teuer. Andererseits will ich nicht in 5 Jahren bereuen, dass ich auf "alte" Technologie mit R32 oder R290 gesetzt habe.
Was sind denn die technischen Hürden? Ich hab gelesen dass die Drücke viel höher sind als bei anderen Kältemitteln - macht das die Anlagen komplizierter und fehleranfälliger? Und wie sieht's mit der Effizienz aus, erreichen CO2-WPs ähnliche COP-Werte?
Hat jemand von euch schon Erfahrungen mit R744-Anlagen gemacht oder weiß mehr über die Marktentwicklung?
Ich sehe bei R744 ehrlich gesagt noch zu viele Fragezeichen für den Privatbereich. Die hohen Drücke bedeuten nicht nur teurere Komponenten, sondern auch speziell geschultes Personal für Installation und Wartung. Da sind wir in Deutschland noch nicht so weit.
Dazu kommt: Die bewährten natürlichen Kältemittel wie R290 (Propan) sind auch sehr umweltfreundlich und technisch ausgereift. Ich hatte schon mal über Split-Systeme geschrieben - da spielt die Kältemitteltechnik eine wichtige Rolle.
Mein Rat: Nimm ein bewährtes R290-System. In 10-15 Jahren, wenn deine WP das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, ist R744-Technik ausgereift und günstiger geworden.
Thomas, das Thema CO2 als Kältemittel beschäftigt mich auch schon länger. Aus technischer Sicht ist R744 definitiv interessant - keine Umweltbelastung beim Austritt, nicht brennbar und theoretisch unbegrenzt verfügbar.
Das Problem liegt hauptsächlich in der Komplexität der Systeme. Die Arbeitsdrücke sind deutlich höher (bis 120 bar statt 20-40 bar bei anderen Kältemitteln), was robustere Bauteile erfordert. Das macht die Anlagen teurer und wartungsintensiver. Dazu kommt, dass CO2 transkritisch arbeitet - ganz andere Regelungskonzepte als bei klassischen Systemen.
Effizienz ist durchaus vergleichbar, teilweise sogar besser bei niedrigeren Vorlauftemperaturen. Aber die Anschaffungskosten sind noch 30-50% höher. Ich denke, in 3-5 Jahren wird sich das ändern, wenn die Stückzahlen steigen. Für nächstes Jahr würde ich noch auf bewährte Technik setzen - R290 ist auch sehr umweltfreundlich und ausgereift.
Moin, also ich seh das bisschen anders. Klar, R744 ist technisch anspruchsvoller, aber die Japaner machen das schon seit Jahren in großem Stil. Die haben da viel mehr Erfahrung.
Bei uns ist das Problem eher dass die Hersteller noch zögern wegen der höheren Entwicklungskosten. Aber gerade für Gewerbe und größere Anlagen setzt sich CO2 immer mehr durch. Nur im EFH-Bereich hängen wir noch hinterher.
Ich würd sagen: wenn du Zeit hast und nicht unter Druck stehst, warte noch ne Weile. 2027/28 kommen bestimmt mehr bezahlbare R744-Systeme auf den Markt. Die EU drückt ja auch in die Richtung mit der F-Gase-Verordnung.