Hallo zusammen,
ich plane gerade für den Sommer ein größeres Projekt: PV-Anlage mit Batteriespeicher, Wärmepumpe läuft schon seit letztem Jahr. Jetzt geht es um die Auswahl des Speichers und dabei bin ich über etwas gestolpert, womit ich mich bisher kaum beschäftigt habe – die Zertifizierungen.
Mein Installateur hat mir zwei Angebote vorgelegt, ein Markensystem und ein günstigeres Modell von einem weniger bekannten Hersteller. Beim günstigen hat er beiläufig erwähnt, dass die Zertifizierungen "ausreichend" seien, das klang für mich nicht gerade überzeugend. Deshalb frage ich mich: Welche Zertifizierungen sind eigentlich gesetzlich vorgeschrieben, damit ein Batteriespeicher in Deutschland überhaupt betrieben werden darf? Und welche sind sozusagen "nice to have", also freiwillig?
Ich habe gelesen, dass es da CE-Kennzeichnung, VDE-Zertifikate, IEC-Normen und irgendetwas mit UN 38.3 (das ist wohl für den Transport) gibt. Aber ich blicke da nicht wirklich durch, was wovon für den Heimspeicher relevant ist.
Außerdem: Spielt das für die Versicherung eine Rolle? Manche behaupten, nicht zertifizierte Speicher könnten im Schadensfall Probleme mit der Gebäudeversicherung geben. Stimmt das?
Falls jemand das schon durchgekämpft hat oder zufällig vom Fach ist – ich bin für jeden Hinweis dankbar. Der Installateur drückt etwas aufs Tempo, ich will aber nichts überstürzen.
Bisschen off topic vielleicht, aber ich würd noch ergänzen: Schaut auch ob der Speicher auf der Liste der förderfähigen Produkte steht, falls ihr KfW oder Länderförderung beantragen wollt. Die filtern das nochmal separat und manche günstigen Systeme fallen da raus, auch wenn die Zertifikate formal vorhanden sind. Das hat mich beim Thema Kühlbetrieb im Sommer auch gelehrt, immer doppelt zu prüfen was formal ok ist und was praktisch anerkannt wird.
Ansonsten stimme ich den Vorpostern zu, IEC 62619 und VDE-AR-E 2510-50 sind die Kernanforderungen die zählen.
TechTom hat das gut zusammengefasst. Ich ergänze noch den Versicherungsaspekt, weil du danach gefragt hast.
Ja, das ist ein echtes Thema. Ich hab das bei meiner eigenen Planung recherchiert – die Gebäudeversicherung verlangt in der Regel keine spezifische Zertifizierung explizit im Vertrag, aber im Schadensfall (Brand zum Beispiel) wird geprüft ob die Installation den "anerkannten Regeln der Technik" entspricht. Und genau da kommen die Normen ins Spiel. Wenn ein Speicher ohne IEC 62619 oder ohne VDE-Konformität verbaut wurde und es gibt einen Schaden, kann der Versicherer das als grobe Fahrlässigkeit werten. Das ist kein Automatismus, aber das Risiko ist real.
Mein Tipp: Vor der Entscheidung kurz die Hausratversicherung und die Wohngebäudeversicherung anschreiben und schriftlich bestätigen lassen, was gefordert wird. Das dauert zwei Wochen aber du hast dann Klarheit. Den Druck vom Installateur würde ich ignorieren – ein guter Handwerker ist nicht auf deinen schnellen Abschluss angewiesen.
Zur Versicherungsfrage kann ich Martin89 nur zustimmen – schriftlich anfragen ist Gold wert, das hab ich selbst so gemacht. Was ich noch hinzufügen möchte: Der Netzbetreiber ist eigentlich die entscheidende Instanz im Alltag. Ohne Anmeldung und Abnahme durch den Netzbetreiber darf der Speicher gar nicht ans Netz, und die prüfen die Zertifikate. In der Praxis verlangen viele explizit die VDE-AR-E 2510-50-Konformität und wollen das Datenblatt sehen. Wenn der Hersteller das nicht liefern kann, wird's beim Netzbetreiber schon scheitern – da hat sich das günstige System quasi selbst erledigt.
Gute Frage, über sowas stolpert man tatsächlich leicht. Ich hab mich bei meiner Smart-Home-Planung auch mal damit beschäftigt (bin da ja öfter tief drin, wer meinen Beitrag zu Inverter vs On-Off kennt weiß das).
Also in Deutschland ist die Sache so: Pflicht ist die CE-Kennzeichnung – ohne die darf das Ding gar nicht verkauft werden in der EU. Dazu kommt die IEC 62619, das ist die Sicherheitsnorm für stationäre Lithium-Systeme, die ist mittlerweile quasi Standard und wird von den Netzbetreibern oft beim Anschluss verlangt. VDE-AR-E 2510-50 ist die deutsche Norm für Hausspeicher – sehr wichtig, weil viele Netzbetreiber das explizit fordern beim Anmeldeprozess.
UN 38.3 ist tatsächlich nur Transport, spielt für den Betrieb keine direkte Rolle, aber seriöse Hersteller haben das trotzdem.
Dein Bauchgefühl beim günstigen System ist berechtigt. Ich würde immer nach dem VDE-Prüfzeichen fragen und nach dem konkreten Zertifikat zur IEC 62619. Wenn der Hersteller das nicht direkt vorweisen kann – Finger weg.