Hallo zusammen, ich beschäftige mich gerade intensiver mit den realistischen COP-Werten von Luft-Luft-Wärmepumpen und bin dabei auf einige Unstimmigkeiten zwischen Herstellerangaben und echten Nutzerdaten gestoßen.
Im Sommer nutze ich meine neue Luft-Luft-WP hauptsächlich zum Kühlen – da ist der COP ja eigentlich weniger relevant, aber ich möchte die Anlage ganzjährig verstehen. In den Datenblättern sehe ich oft COP-Werte von 3,5 bis 4,5 angegeben, aber unter welchen Betriebsbedingungen gelten diese Werte eigentlich? Bei welcher Außen- und Solltemperatur werden die gemessen?
Mich interessiert besonders: Wie unterscheiden sich die COP-Werte im realen Betrieb (mit Ein-/Ausschaltvorgängen, Regelungszyklen, nicht-idealen Bedingungen) von den Normmessungen? Hat jemand von euch systematisch seine Verbrauchsdaten ausgewertet und kann mir sagen, welche COP-Werte beim alltäglichen Heizen realistisch sind?
Zum Hintergrund: Ich dokumentiere meine gesamte Anlage detailliert und möchte meine Messdaten später mit realistischen Benchmarks abgleichen. Gibt es da Standards, die ihr nutzt?
Ein wichtiger Punkt, den ich oft übersehe: Der Defrost-Betrieb im Winter kostet dich auch COP-Punkte. Wenn die Anlage bei Temperaturen um 0°C vereist und dann in den Abtaubetrieb gehen muss, sinkt der effektive COP für diesen Betriebszeitraum teilweise unter 2,0. Das sieht man in den Normmessungen überhaupt nicht, wirkt sich aber in der Realität deutlich aus. Deshalb sind die echten Jahreswerte (JAZ) am aussagekräftigsten – da sind alle Betriebszustände drin.
COP von 3,5–4,5 sind Standard-Labormessungen. Real eher 2,8–3,5 im Heizbetrieb.
Kleiner Tipp noch von mir: Bei der Angebotssuche lohnt sich wirklich, mehrere Angebote einzuholen und nicht nur auf den Preis zu schauen. Ich hab da gute Erfahrungen gemacht, wenn man die Leistungszahlen und Garantiebedingungen genau vergleicht. Manche günstigere Angebote haben dann doch höhere Betriebskosten. Angebot vergleichen für Wärmepumpen
Guter Punkt mit den Messdaten. Ich habe meine neue Luft-Luft-WP über Home Assistant mit einem Smart Meter gekoppelt und sammle stündlich Verbrauchs- und Leistungsdaten. Das Problem: Die meisten Hersteller geben dir nicht mal die aktuellen Leistungskurven bei unterschiedlichen Außentemperaturen – ich musste mir das aus den Betriebsstunden selbst zusammenrechnen. Meine bisherige Erkenntnis über einen Monat Heizbetrieb: Bei Außentemperaturen zwischen 0°C und +5°C liege ich bei effektiven COP-Werten von ca. 3,1–3,4, je nachdem ob der Inverter taktet oder durchläuft. Im Sommer beim Kühlen ist ein echtes COP schwer zu definieren – da zählt eher die SEER-Effizienz (Seasonal Energy Efficiency Ratio). Hast du die Möglichkeit, deine Daten ähnlich granular zu erfassen?
Ich sehe das aus der Installationspraxis: Die größten Abweichungen entstehen durch Montagefehler und falsche Konfiguration. Wenn die Rohrleitungen nicht optimal gedämmt sind oder die Regelung nicht richtig eingestellt ist, verlierst du leicht 15–20% der Effizienz. Für eine aussagekräftige Messung würde ich dir empfehlen: Stromzähler separat auf die WP-Anlage, Temperaturmessung an Vor- und Rücklauf, externe Temperatur. Mit diesen Daten kannst du deinen realen COP dann monatlich berechnen und mit den Herstellerkurven vergleichen. Dann siehst du schnell, ob deine Anlage läuft wie sie sollte.