Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor einer Entscheidung und drehe mich im Kreis. Meine alte Gasheizung (Baujahr 2004) läuft noch, aber der Heizungsbauer meinte letzte Woche, ich sollte langsam an Ersatz denken. Jetzt im Sommer hab ich zwar Zeit zum Planen, aber ich steh vor einem echten Zahlen-Wirrwarr.
Mein Haus: Einfamilienhaus, Bj. 1987, ca. 140m², gedämmt aber nicht top-modern. Fußbodenheizung im EG, Heizkörper OG. Jahresverbrauch aktuell so 18.000 kWh Gas.
Ich hab versucht selbst zu rechnen, aber ich komme auf so unterschiedliche Ergebnisse je nachdem welche Quellen ich nutze:
- Gasheizung neu: ca. 8.000€ Anschaffung, Gaspreis aktuell ~12 Cent/kWh
- Luft-Wasser-WP: Angebot liegt bei 18.500€ nach Förderung (BEG), Strompreis ~33 Cent, aber mit SCOP 3,5 wäre der effektive Preis ja nur ~9,4 Cent/kWh?
Was ich nicht richtig einschätzen kann: Wie verlässlich ist diese SCOP-Rechnung in der Praxis bei so einem Haus mit teils Heizkörpern? Und wie rechnet ihr die CO2-Abgabe mit ein, die ja weiter steigt?
Auch die Förderung verwirrt mich – 30% BEG Grundförderung plus eventuell Klima-Speed-Bonus, das klingt fast zu gut.
Falls jemand einen direkten Kostenvergleich schon mal durchgerechnet hat oder eigene Erfahrungen hat – ich wäre sehr dankbar!
Grüße, Klaus
Also ich hab da auch mal ein Angebot gehabt das auf den ersten Blick super aussah und sich dann als ziemlich undurchsichtig rausgestellt hat. Pauschalpreise ohne Detailaufschlüsselung sind so ne Sache... (da hab ich schon drüber geschrieben).
Kurz zur Frage: Deine Grundrechnung stimmt im Ansatz. Aber ich würde noch den Aspekt Kühlbetrieb im Sommer mit einrechnen wenn du eine LWWP nimmst – gerade jetzt bei dem Wetter merkt man dass aktive Kühlung ein echter Mehrwert sein kann. Das rechtfertigt einen Teil der Mehrkosten gegenüber Gas allein schon vom Komfort her, auch wenn's schwer in Euro zu fassen ist.
Hallo Klaus,
die Rechnung die du aufmachst geht grundsätzlich in die richtige Richtung, aber ein paar Punkte würde ich noch ergänzen.
Der SCOP von 3,5 ist realistisch für einen Neubau oder gut gedämmten Bestand, aber bei deinem Haus mit Heizkörpern im OG wird die Vorlauftemperatur dort wahrscheinlich 45-50°C brauchen. Das drückt den realen SCOP eher auf 2,8-3,1 runter. Ich hab mich selbst intensiv mit Heizlastberechnungen beschäftigt (u.a. bei Mehrfamilienhäusern, MFH-Heizlastberechnung: Gleichzeitigkeitsfaktor bei 6 Wohnungen richtig ansetzen?) und auch beim EFH gilt: Mischsysteme mit unterschiedlichen Wärmeerzeugern sind rechnerisch tricky.
Zur CO2-Abgabe: Die ist seit 2026 bei 55€/Tonne und steigt weiter. Bei 18.000 kWh Gas und einem Emissionsfaktor von ca. 0,2 kg CO2/kWh bist du bei rund 200€/Jahr allein für die CO2-Komponente – Tendenz steigend bis mindestens 65€/Tonne 2027.
Die Förderung stimmt so in etwa, aber lies die Bedingungen für den Speed-Bonus genau – der ist nicht immer kombinierbar und hängt u.a. am Austausch einer funktionstüchtigen Heizung.
Ich kram mal kurz mein Zahlenwerk raus 😄
Hab hier im Forum schon öfter über SCOP und COP geschrieben (COP und SCOP – was steckt wirklich hinter diesen Kennzahlen?) und genau das ist das Problem: Der Hersteller-SCOP wird unter Normbedingungen gemessen, nicht bei deinem konkreten Betriebspunkt.
Für dein Szenario würd ich so rechnen:
- Angenommener realer SCOP 3,0 (konservativ wegen Heizkörper OG)
- 18.000 kWh Heizenergie / 3,0 = 6.000 kWh Strom
- 6.000 * 0,33€ = 1.980€/Jahr Stromkosten WP
- Gasheizung: 18.000 * 0,12€ + CO2-Abgabe ≈ 2.360€/Jahr
Differenz ca. 380€/Jahr. Dazu kommen noch die unterschiedlichen Wartungskosten (WP meist günstiger langfristig, kein Schornsteinfeger etc.).
Aber Achtung: Strompreise können auch steigen. Wer weiß wie sich das bis 2030 entwickelt.
Ich hab mir ähnliche Fragen gestellt bevor ich mich für meine WP entschieden hab. Kurz gesagt: Die reinen Betriebskosten der WP klingen auf dem Papier gut, aber du musst auch die höheren Anschaffungskosten über die Laufzeit verteilen.
18.500€ nach Förderung vs. 8.000€ für Gas – das sind 10.500€ Unterschied. Bei sagen wir 400€/Jahr Betriebskostenvorteil der WP wärst du erst nach über 26 Jahren im Plus. In der Praxis wird es durch steigende Gaspreise und CO2-Abgaben früher sein, aber Garantien gibt's keine.
Ich bin ehrlich gesagt eher skeptisch wenn jemand sagt die WP rechnet sich immer. Kommt halt sehr auf den Einzelfall an. Bei deinem Haus mit den Heizkörpern im OG würd ich da nochmal genauer hinschauen bevor ich unterschreibe.