Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einiger Zeit damit, meine Wärmepumpe stärker zu vernetzen und auch von unterwegs steuerbar zu machen. Gerade jetzt im Sommer, wo wir ein paar Wochen in den Urlaub fahren, wäre das natürlich praktisch – die Anlage im Blick behalten, Warmwasser abschalten oder per App wieder hochfahren bevor wir zurückkommen.
Allerdings mache ich mir zunehmend Gedanken um den Datenschutz. Die meisten Hersteller-Apps verbinden sich ja mit irgendwelchen Cloud-Servern, oft im Ausland. Was genau dabei alles übertragen wird, steht ja irgendwo klein in den AGBs – wenn überhaupt verständlich.
Meine konkreten Fragen:
– Welche Daten werden bei einer typischen Herstellercloud eigentlich gesammelt? Nur Betriebsdaten oder auch Nutzungsprofile, Anwesenheitszeiten etc.?
– Gibt es Möglichkeiten, die Vernetzung datenschutzkonformer zu gestalten, ohne gleich auf alle Komfortfunktionen zu verzichten?
– Wie geht ihr damit um? Habt ihr euch mit den Datenschutzerklärungen eurer Hersteller wirklich auseinandergesetzt?
– Und was ist eigentlich mit Drittanbieter-Integrationen (z.B. wenn die WP über eine Smarthome-Zentrale läuft)?
Ich bin kein IT-Profi, aber das Thema macht mir schon ein bisschen Sorgen. Würde mich freuen, eure Einschätzungen zu hören, auch wenn es vielleicht keine perfekte Lösung gibt.
Danke und Gruß,
H. Weber
Ich hab mich mit dem Thema auch beschäftigt, gerade im Zusammenhang mit PV-Überschusssteuerung – da hab ich ja selbst schon einiges ausprobiert, wie ich in dem Thread zur PV-Steuerung beschrieben hab.
Mein Fazit nach etwas Recherche: Vollständige Datensouveränität und bequeme Fernsteuerung schließen sich leider meist gegenseitig aus. Wenn du die Hersteller-Cloud nutzt, gibst du Daten ab – das lässt sich technisch nicht vermeiden. Die Frage ist eher wie sensibel die eigenen Daten sind und wie viel Aufwand man betreiben will.
Für den Urlaubsfall würde ich konkret empfehlen: VPN auf dem Heimrouter einrichten (FritzBox macht das relativ einfach), dann lokale Steuerung über Heimnetz erreichbar machen. Aufwand einmalig ein paar Stunden, danach läuft das zuverlässig und ohne externe Server. Ist nicht für jeden was, aber wer einmal damit angefangen hat will das nicht mehr missen.
Ich bin grundsätzlich skeptisch ob das "Smart Home" bei Wärmepumpen nicht sowieso mehr Probleme schafft als löst. Datenschutz ist dabei nur ein Aspekt.
Aber speziell zur Frage: Die Nutzungsprofile die Hersteller erstellen können sind tatsächlich sehr aufschlussreich. Betriebszeiten, Warmwasserabrufe, Temperatureinstellungen – daraus lässt sich ein detailliertes Bild eines Haushalts zeichnen. Für Versicherungen oder andere Dritte wäre sowas durchaus interessant. Ob sowas weiterverkauft wird steht natürlich nie explizit in den AGBs.
Ich persönlich würde bei Cloud-Anbindung immer schauen: brauche ich das wirklich? Oder reicht mir eine vernünftige Zeitsteuerung lokal? Gerade im Sommer für Urlaubsplanung ehrlich gesagt ja.
Ich sehe das etwas nüchterner als die anderen hier. DSGVO gilt primär für Unternehmen, nicht für Privatpersonen die ihre eigene Heizung steuern. Das heißt, ihr als Nutzer seid datenschutzrechtlich keine Verantwortlichen – ihr seid Betroffene.
Das eigentliche rechtliche Instrument ist das Auskunftsrecht nach Art. 15 DSGVO. Jeder kann beim Hersteller anfragen welche Daten über ihn gespeichert werden. Hab ich selbst mal bei meinem Hersteller gemacht, nach dem Elektriker-Einbau. Die Antwort war... ausführlich. Tatsächlich werden Verbindungsprotokolle, Gerätestatus-Historien und in manchen Fällen auch Positionsdaten des Geräts gespeichert.
Der Unterschied zu lokalen Lösungen ist erheblich. Wer wirklich sensibel ist, sollte ernsthaft über eine lokale Steuerung nachdenken. Das kostet Aufwand beim Einrichten, aber dann bleiben die Daten bei einem selbst. Einfacher Mittelweg: Router so konfigurieren dass die WP keinen direkten Internetzugang hat, und nur über einen kontrollierten Kanal (eigener Server, VPN) kommuniziert.
Was ich noch ergänzen möchte: Achtet auch auf die Serverstandorte. Manche Hersteller – gerade asiatische Anbieter – betreiben ihre Cloud-Infrastruktur außerhalb der EU. Dann gelten andere Datenschutzstandards und ihr habt praktisch keine Handhabe wenn ihr eure Daten löschen oder einsehen wollt.
Ich hab das beim Kauf meiner Anlage direkt gefragt und der Installateur konnte mir da keine klare Auskunft geben. Hab dann selbst in den Datenschutzerklärungen gewühlt – bei einem Anbieter stand tatsächlich irgendwas von Servern in Singapur. Das war dann ein Argument mehr, das Gerät lieber lokal zu betreiben.
Für die Urlaubssteuerung die H.Weber anspricht: es gibt auch pragmatische Lösungen ohne große Cloud-Abhängigkeit. Eine simple Zeitschaltuhr für Warmwasser kombiniert mit einem Fernzugriff via FritzBox-VPN auf eine lokale Steuerung reicht für die meisten Szenarien völlig aus.