Hallo zusammen,
nachdem ich jetzt schon seit Wochen recherchiere, drehe ich mich irgendwie im Kreis und hoffe hier auf ehrliche Einschätzungen von Leuten mit echten Erfahrungswerten.
Kurz zu meiner Situation: Wir haben ein Einfamilienhaus aus den 60er Jahren, ca. 150m², bisher mit Ölheizung. Dachdämmung ist gemacht, Kellerdecke auch, Fenster wurden vor ~10 Jahren getauscht. Heizkörper sind noch drin, kein Fußbodenheizung. Das Grundstück ist etwa 600m² groß.
Nun überlege ich ernsthaft auf eine Erdwärmepumpe umzusteigen. Das Angebot, das ich bisher eingeholt habe, umfasst 2x120m Tiefenbohrung plus Wärmepumpe und Installation – und liegt bei knapp 38.000€ brutto. Dazu kämen dann noch die Heizkörpertausch-Kosten oder zumindest hydraulischer Abgleich.
Meine Fragen:
- Sind 38.000€ für die Bohrung + WP im Jahr 2026 realistisch oder zu hoch?
- Was muss ich im Altbau-Kontext noch einkalkulieren, was gerne vergessen wird?
- Wird die BAFA-Förderung nach den letzten Änderungen noch wesentlich gezahlt oder ist das aktuell eher mager?
- Hat jemand den Gesamtprozess von Angebot bis Inbetriebnahme dokumentiert mit allen Posten?
Ich würde das gerne noch diesen Sommer angehen, damit eventuell im Herbst/Winter schon alles läuft. Bin gespannt auf eure Einschätzungen!
Ich hab selbst ein Haus von 1932 saniert und kenne das Thema gut – hab auch damals hier im Forum diskutiert, ob Heizkörper im Altbau überhaupt gehen.
Zu den Zahlen: 38.000€ für 2x120m plus WP und Installation ist nicht übertrieben, aber auch kein Schnäppchenpreis. Hol mindestens ein zweites Angebot ein. Die Preise variieren je nach Region und Bohrfirma erheblich.
Was viele unterschätzen:
1. Heizlastberechnung nach DIN 12831 – ohne die weißt du nicht ob 2x120m überhaupt ausreicht. Ein seriöser Planer macht die vor dem Angebot.
2. Warmwasserbereitung: Ist ein Warmwasserspeicher im Angebot enthalten? Oder nur die WP selbst?
3. Elektroinstallation: Eigener Stromzähler für die WP, evtl. Wärmepumpentarif – das kommt noch oben drauf.
4. Inbetriebnahme und Einregulierung: Manchmal separat berechnet.
Zur BAFA: Der Basisförderung liegt bei 15%, mit Effizienzbonus und Einkommensbonus kann mehr drin sein. Aber die Antragstellung muss VOR Auftragserteilung erfolgen – das ist ein häufiger Fehler!
38k ohne Heizkörperanpassung ist realistisch, bei mir war das ähnlich. Aber ich sag dir aus eigener Erfahrung (hab mir das mit dem Altbau auch mehrfach durchgerechnet, u.a. hier im Forum zum Thema Heizkörper im Altbau): Kalkulier unbedingt Puffer ein für die Heizkörper. "Nur hydraulischer Abgleich" reicht bei nem 60er-Jahre-Bau oft nicht.
Was mich auch überrascht hat: Die Erschließungskosten auf dem Grundstück (Leitungen vom Bohrkopf ins Haus, evtl. Kernbohrung Keller) sind manchmal nicht im Angebot drin oder nur pauschal. Frag da nochmal nach. Und lass dir schriftlich geben welche Tiefe garantiert wird – manche Firmen bohren weniger wenn's geologisch schwierig wird und du zahlst trotzdem voll.
Der Sommer ist übrigens ein guter Zeitpunkt – viele Firmen sind weniger ausgelastet als im Herbst.
Ich hab mich ja selbst lange mit dem Thema Split vs. Monoblock beschäftigt (ist was anderes, ich weiß), aber beim Thema Kostenplanung hab ich auch einiges gelernt: Die 38k klingen erstmal viel, liegen aber 2026 durchaus im Rahmen, wenn die Bohrfirma seriös ist. 2x120m ist für 150m² Altbau auch keine Überdimensionierung.
Was gern vergessen wird: Hydraulischer Abgleich ist Pflicht wenn du Fördermittel willst, das sind noch mal 1.000-2.000€. Außerdem: Wenn deine Heizkörper zu klein sind für niedrige Vorlauftemperaturen, wird die WP nicht effizient laufen – das kann bedeuten, dass doch einige getauscht werden müssen, vor allem in großen Räumen. Ich hab bei mir nachträglich noch zwei Heizkörper tauschen müssen, weil der COP sonst unterirdisch geblieben wäre.
Zur BAFA: Es gibt nach wie vor Förderung, aber die Bedingungen und Sätze haben sich mehrfach geändert. Unbedingt direkt auf bafa.de nachschauen und keinem Anbieter einfach glauben. Stand heute (Juni 26) lohnt es sich noch, aber ich würd mir das nicht von einem Installateur erklären lassen sondern selbst nachlesen.
Da stimme ich Stefan-Mueller zu was die Heizlast angeht. Ohne ordentliche Berechnung ist das alles Raterei.
Ein Punkt den ich noch ergänzen würde: Rechne auch die laufenden Mehrkosten für den Wärmepumpenstrom gegen deinen bisherigen Ölpreis gegen. Bei den aktuellen Strompreisen 2026 ist die Wirtschaftlichkeit nicht mehr ganz so selbstverständlich wie sie manchmal dargestellt wird. Ich hab das selbst durchgerechnet, Stichwort Grundwasser-WP, und war überrascht wie eng das teilweise ist – das hängt sehr am individuellen Verbrauch und daran wie gut die Anlage dann tatsächlich läuft.