Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einiger Zeit intensiv damit, wie man die Warmwasserbereitung über eine Wärmepumpe im Sommer möglichst effizient hinbekommt – und merke, dass das Thema viel komplexer ist als ich zunächst dachte.
Konkret geht es mir um den Zusammenhang zwischen Speichergröße, Ladeintervall und Steuerungsstrategie. Bei mir läuft gerade ein Vergleich zwischen Frischwasserstation (kleiner Puffer ~200l) und einem Trinkwasser-WP-Speicher (~300l). Die Frischwasserstation hält die Vorlauftemperatur dauerhaft hoch, der WP-Speicher lädt zyklisch nach.
Meine Fragen:
- Wie oft sollte der WP-Speicher im Sommer idealerweise laden? Täglich, alle zwei Tage?
- Beeinflusst die Ladehäufigkeit die Jahresarbeitszahl messbar? Im Sommer müssten die COP-Werte ja eigentlich super sein, aber wenn die WP durch zu kurze Taktung immer wieder hochläuft...
- Wie regelt ihr den Legionellenschutz? Einmal pro Woche thermische Desinfektion auf 60°C kostet enorm Strom – gibt es clevere Steuerungsalgorithmen die das optimieren?
- Hat jemand konkrete Messdaten zum Vergleich 200l vs. 300l Speicher bei Singlehaushalt/kleiner Familie?
Ich will weg von Bauchgefühl und hin zu messbaren Daten. Bin gespannt auf eure Erfahrungen, auch wenn die Meinungen auseinandergehen sollten.
Grüße, Tobias
Was Marcus K. zum Legionellenschutz bei der Frischwasserstation sagt ist zwar prinzipiell richtig, aber ich würd das nicht so pauschal stehen lassen. "Entfällt weitgehend" ist eine ziemlich optimistische Formulierung.
Die Frischwasserstation eliminiert das Problem nur dann zuverlässig, wenn der Pufferspeicher selbst dauerhaft auf ausreichend hoher Temperatur gehalten wird UND die Durchströmung stimmt. Wenn der Puffer im Sommer tagelang auf 45-50°C vor sich hinstagniert weil der Heizkreis kaum Abnehmer hat, hast du im worst case genau das gleiche Problem – nur an anderer Stelle. Hab ich in einem Thread zu Installationsfehlern schonmal ausführlicher beschrieben. Das wird viel zu selten diskutiert.
Das mit der PV-Überschusssteuerung kenn ich, das ist wirklich tricky. Ich plane aktuell ähnliches für meine zukünftige Anlage und hab genau diese Frage auch schon gestellt: Lohnt sich der Aufwand für die smarte Steuerung wirklich oder frisst die Komplexität den Vorteil wieder auf?
Bei mir ist der Plan, die WP über ein Smart-Home-System anzusprechen und nur bei ausreichend PV-Überschuss zu laden. Aber nach dem was Markus B. schreibt klingt das weniger nach "easy win" als die Tutorials vermuten lassen. Schöne Theorie, komplizierte Praxis.
Für den Legionellenschutz hab ich noch keine fertige Lösung – die meisten Systeme, die ich kenne, machen das einfach starr wöchentlich. Gibt es Steuerungen, die das z.B. an die letzte tatsächliche Entnahmemenge koppeln? Das würde ja eigentlich mehr Sinn machen als ein festes Intervall.
Ich muss da kurz einhaken, weil ich solche Vergleiche selbst immer kritisch sehe.
Die Frage "200l vs. 300l" lässt sich ohne Normierung überhaupt nicht sinnvoll beantworten. Was zählt: Wieviel Liter Warmwasser werden täglich tatsächlich entnommen? Bei welcher Temperatur? Wie gut ist die Speicherdämmung (Standby-Verluste!)? Welche Eintrittstemperatur hat dein Kaltwasser im Sommer?
Meine eigene Erfahrung aus einem Jahr mit 9,8kWp PV: Ich hab den WP-Warmwasserspeicher im Sommer auf PV-Überschusssteuerung umgestellt, Ladestart nur bei >2,5kW Überschuss. Das sieht auf den ersten Blick super aus – aber der COP sinkt nachmittags wenn die Außentemperatur am höchsten ist und der Speicher schon halbwegs warm ist vom Vortag. Netto war der Eigenverbrauchsvorteil kleiner als gedacht, weil der höhere Vorlauf für die Nachladung die Effizienz gefressen hat.
Konkrete Zahlen aus meinem Haus: Warmwasser im Juli kostet mich ca. 0,38 kWh elektrisch pro Tag bei 2 Personen. Klingt erstmal gut, aber ich will das noch gegen eine andere Messmethode plausibilisieren. Trau ich keiner Hochglanzbroschüre.
Super Thema, Tobias. Ich steh vor ähnlichen Überlegungen, wir bauen gerade und ich hab mich für eine Frischwasserstation entschieden – genau wegen des Legionellen-Arguments. Aber der Punkt von WpSkeptiker4764 ist berechtigt, das hab ich so noch gar nicht auf dem Schirm gehabt.
Wir haben im Frischwasserstation-Thread schon einiges besprochen, aber die Steuerungsfrage für den Sommer – wann und wie oft lädt der Puffer nach wenn fast keine Heizlast da ist – haben wir dort nicht wirklich aufgelöst. Bei uns wird der Puffer im Sommer quasi ausschließlich für Warmwasser genutzt. Mein Planer sagt "läuft einmal täglich kurz nach", aber konkrete Einstellparameter hat er mir noch nicht genannt. Mich würde interessieren ob jemand eine bewährte Steuerlogik hat die explizit für den Nur-WW-Sommer-Betrieb ausgelegt ist.