Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einiger Zeit ernsthaft mit der Wasser-Wasser-Wärmepumpe und überlege, ob die Kühlfunktion im Sommer für uns wirklich praktikabel ist. Beruflich bin ich Ingenieur, also verstehe ich die technischen Grundlagen halbwegs – aber die gelebte Praxis fehlt mir noch komplett.
Aktuell haben wir diese Hitzewelle und ich frage mich: Wie gut funktioniert das passive oder aktive Kühlen bei einer W-W-WP in der Realität? Theoretisch klingt es toll – Grundwasser hat konstant um die 10-12°C, das sollte doch hervorragend zum Kühlen taugen. Aber was hört man wirklich von Leuten, die das schon länger betreiben?
Meine konkreten Fragen:
- Welche JAZ erreicht ihr über das gesamte Jahr, also inklusive Kühlbetrieb?
- Läuft das Kühlen vollautomatisch oder muss man regelmäßig eingreifen und Einstellungen anpassen?
- Gibt es nennenswerte Wartungsaufwände speziell durch den Wechsel zwischen Heiz- und Kühlbetrieb?
- Braucht man zwingend Flächenheizung (Fußboden/Decke) um das Kühlen sinnvoll nutzen zu können?
Ich frage das bewusst, weil ich zeitlich wirklich eingespannt bin und keine Anlage möchte, die mich jeden Sommer mit Sonderaufgaben beschäftigt. Danke schon mal für eure Einschätzungen!
Ich plane selbst gerade eine W-W-WP und habe mich da in den letzten Monaten intensiv eingelesen. Was mich bei meinen Recherchen überrascht hat: Bei passiver Kühlung (also nur Grundwasser durch den Wärmetauscher ohne Kompressorbetrieb) liegen die COPs rechnerisch extrem hoch, weil kaum Strom fließt. Aber Thomas-Krger hat recht – die Kühlleistung ist dann eben auch begrenzt.
Was die Automatisierung angeht: Die meisten modernen Regler schalten automatisch zwischen Heiz- und Kühlbetrieb um, sobald man das einmalig konfiguriert hat. Zeitaufwand im laufenden Betrieb also minimal soweit ich das verstehe – das wäre für deine Situation ja wichtig.
Eine Frage hab ich aber selbst noch nicht befriedigend beantwortet bekommen: Wie beeinflusst der Sommer-Kühlbetrieb langfristig die Erschöpfung des Grundwasserleiters? Habt ihr dazu Erfahrungen? Bei Tiefenbohrung weiß ich dass Regeneration ein Thema ist, aber beim Grundwasser bin ich mir nicht sicher wie relevant das ist.
Bin zwar eher der LWWP-Typ, aber zum Thema Automatisierung kann ich was sagen: Bei meiner Anlage hab ich das über Monitoring-Apps ganz gut im Griff. Falls du dir mal anschaust was die W-W-WP im Kühlbetrieb tatsächlich zieht, würde ich das für den Anfang empfehlen bevor man irgendwelche Optimierungen macht. Ohne Daten tappt man sonst im Dunkeln.
Ich möchte hier mal etwas Wasser in den Wein gießen, auch wenn das vielleicht nicht das ist was du hören willst.
Die Kühlfunktion klingt in Prospekten immer sehr verlockend, aber in der Praxis sehe ich bei vielen Anlagen zwei Probleme: Erstens ist die Kühlleistung oft deutlich geringer als erwartet, weil Fußbodenheizungen als Kühldecken thermisch träge sind. Du merkst abends vielleicht, dass es tagsüber angenehmer war, aber eine schnelle Abkühlung nach Hitzespitzen funktioniert nicht. Zweitens: Die angegebenen JAZ-Werte unter Einrechnung des Kühlbetriebs halte ich oft für geschönt – der Strom für Pumpen läuft ja weiter, auch wenn der Kompressor im passiven Modus nicht läuft.
Das soll nicht heißen dass es sich nicht lohnt, aber als Ingenieur würde ich empfehlen: Lass dir vom Installateur konkrete Simulationswerte für dein spezifisches Gebäude zeigen, nicht nur Herstellerangaben. Die Grundwassertemperatur ist wirklich ein Vorteil, keine Frage – aber ob das bei dir in der Summe signifikant spürbar ist, hängt sehr von der Gebäudehülle ab.
Stefan, gute Frage – und ich kann aus Sole-Wasser-Perspektive zumindest einiges dazu sagen, das dürfte strukturell ähnlich sein.
Bei mir läuft die Kühlung seit Jahren vollautomatisch, ich muss da im Normalbetrieb nicht eingreifen. Der Umschaltpunkt ist einmal konfiguriert und die Anlage regelt selbst. Beim Wartungsaufwand durch den Moduswechsel habe ich ehrlich gesagt kaum Mehrarbeit bemerkt – außer dass ich im Frühjahr einmal kurz prüfe ob alles dicht ist und die Durchflüsse stimmen.
Zur JAZ: Die verbessert sich durch den Kühlbetrieb bei mir sogar etwas, weil die Maschine im Sommer unter günstigeren Bedingungen läuft. Ich schätze meinen Jahreswert auf deutlich über 4, aber ich habe keine präzise Messtechnik dran – dazu hatte ich mal im Pufferspeicher-Thread etwas geschrieben, geht zwar um LWWP aber das Messprinzip ist gleich.
Zur Flächenheizung: Ja, ohne die macht aktives Kühlen wenig Sinn. Passiv über Grundwasser direkt geht manchmal auch ohne, aber die Effizienz leidet stark. Das würde ich als Grundvoraussetzung betrachten.