Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor der Entscheidung für eine Wärmepumpe und habe von meinem Installateur zwei Kreditvarianten bekommen: einmal ein 10-Jahres-Darlehen mit ca. 1.500€ monatlich, einmal 20 Jahre mit ca. 800€. Auf den ersten Blick ist der 20er attraktiver, aber mich interessiert, ob die längere Laufzeit wirtschaftlich Sinn macht.
Meine Situation: Einfamilienhaus, Neubau, 140m², geplant ist eine Luft-Wasser-WP für ca. 35.000€ brutto (nach BAFA sollten es ca. 23.000€ netto sein). Ich rechne mit JAZ um die 3,5-4,0. Die Heizkosten mit Öl liegen aktuell bei ca. 150€/Monat.
Meine Frage: Lohnt sich die längere Laufzeit wirklich, wenn die Wärmepumpe vielleicht in 15 Jahren ohnehin Verschleiß hat? Und wie genau rechne ich ein, dass ich mit PV-Überschüssen später weniger Strom kaufen muss – macht das bei der Amortisationsrechnung einen Unterschied?
Ich möchte keine Verkaufsversprechungen hören, sondern echte Zahlen. Habt ihr konkrete Erfahrungen mit beiden Varianten?
Danke schon mal!
Gute Frage – aber aus meiner Perspektive auf Warmwasserbereitung eine etwas zu breite. Die entscheidende Variable ist ja: Wird die WP später mit PV-Strom betrieben oder nicht? Falls ja, solltest du das in deine Amortisationrechnung einkalkulieren, nicht erst nachträglich.
Für Brauchwarmwasser empfehle ich ohnehin eine separate Brauchwasserwärmepumpe parallel zur Heizungs-WP – die schafft dann die höchsten Einsparungen. Das ändert aber natürlich die Gesamtinvestition und damit die Kreditfrage.
Welche Speicherkonzepte hast du denn geplant? Pufferspeicher, Warmwasserspeicher – oder alles kombiniert?
Kurz gesagt: 10 Jahre, wenn es finanziell passt. Längere Laufzeiten kosten dich insgesamt mehr Zinsen, und WP-Verschleiß ist mit moderner Wartung kein echtes Risiko.
Ich würde dir empfehlen, zusätzlich zur Heizungs-WP auch die Schallschutz-Aspekte bei der Planung einzukalkulieren – nicht für die Kreditfrage direkt, aber für die langfristige Zufriedenheit. Ich optimiere meine Sole-WP seit Jahren, und die Betriebskosten sind am Ende deutlich niedriger als bei Luft.
Zum Kredit selbst: 20 Jahre ist heute eher eine Notlösung bei knappem Budget. Die Zinsbelastung ist real. Wenn deine Finanzierung knapp kalkuliert ist, würde ich eher eine Hybrid-Lösung prüfen – kleinere WP, Gas-Backup – und dann über 10 Jahre finanzieren. Kostet weniger, ist weniger Risiko.
Wichtiger Punkt: JAZ-Wert ist nicht gleich Amortisation. Eine JAZ von 3,5-4,0 ist die Verhältniszahl Heizwärme zu Strom – sagt aber nichts über den Strompreis aus, den du zahlst.
Bei 150€/Monat Ölheizkosten gerechnet: Das sind ca. 1.800€/Jahr. Wenn deine WP mit JAZ 3,8 läuft und der Strompreis 35ct/kWh kostet, dann liegt der reale Jahresverbrauch bei ca. 13.500kWh (100.000kWh Heiz/3,8), Kosten also ca. 4.700€. Das ist HÖHER als vorher – ohne Optimierung.
Jetzt die spannende Frage: Wie senkt du den Strompreis? Über Eigenverbrauch und echte Steuerung. Erst dann wird es wirtschaftlich. Die Kreditlaufzeit ist dann abhängig davon, wie schnell du diese Effizienzgewinne realisierst. Schnell = 10 Jahre sinnvoll. Langsam = 20 Jahre notwendig, aber teurer insgesamt.
Mein Rat: Lass deine Anlagenplanung von jemandem durchrechnen, der auch die Betriebsoptimierung im Blick hat, nicht nur die Installation.