Es ist Dienstagnacht, kurz nach ein Uhr, als Familie Brandt zum ersten Mal in ihrem neuen Zuhause aus dem Schlaf schreckt. Ein leises, aber beharrliches Surren kommt aus dem Technikraum, lauter als sonst, begleitet von einem spürbaren Ruckeln in der Heizungsanlage. Am nächsten Morgen ruft Herr Brandt verunsichert den Installateur an – ist die neue Wärmepumpe defekt?
Die Antwort überrascht ihn: Alles funktioniert genau so, wie es soll. Was er gehört hat, war die sogenannte Legionellenschaltung, ein fest programmierter Vorgang, der in schöner Regelmäßigkeit für hygienisch einwandfreies Warmwasser sorgt – auch wenn er dafür kurzzeitig von der energiesparenden Routine abweicht, für die Wärmepumpen eigentlich bekannt sind.
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die in natürlichen Gewässern ebenso vorkommen wie in Trinkwasserleitungen, und sie fühlen sich in lauwarmem, stehendem Wasser besonders wohl. Zwischen etwa zwanzig und fünfzig Grad Celsius vermehren sie sich zügig, in Warmwasserspeichern, Duschköpfen oder langen, selten genutzten Leitungsabschnitten finden sie ideale Bedingungen.
Werden sie eingeatmet, etwa als feiner Wassernebel beim Duschen, können sie zu einer ernstzunehmenden Lungenentzündung führen. Genau hier liegt das Dilemma für Wärmepumpenbesitzer: Die Geräte arbeiten am effizientesten bei moderaten Temperaturen zwischen fünfunddreißig und fünfzig Grad, weil die Leistungszahl mit steigender Zieltemperatur spürbar sinkt. Aus hygienischer Sicht wäre genau dieser Bereich jedoch ein Nährboden für die Bakterien, würde man ihn dauerhaft halten.
Wie funktioniert die Legionellenschaltung?
Die Lösung ist die Legionellenschaltung, ein automatischer Zyklus, bei dem der Warmwasserspeicher in regelmäßigen Abständen auf eine deutlich höhere Temperatur gebracht wird, um die Bakterien abzutöten. Als technische Orientierung gilt in Fachkreisen eine Erhitzung auf mindestens sechzig Grad Celsius, bei der Legionellen innerhalb weniger Minuten absterben.
In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick auf diesen Artikel zum Thema: Wärmepumpe Verbrauch zu hoch: Die häufigsten Einstellungsfehler.
Weil Wärmepumpen diese Temperatur mit ihrem eigentlichen Kältekreislauf meist nicht wirtschaftlich erreichen, schaltet sich für diesen kurzen Moment ein elektrischer Heizstab zu, der die letzten Grade übernimmt. Das erklärt auch das nächtliche Surren bei Familie Brandt: Der Heizstab lief an, um den Speicher über die kritische Schwelle zu heben, und genau das verursacht spürbar mehr Betriebsgeräusch und einen kurzen Stromverbrauchsanstieg als im sonstigen Alltag.
Wie oft sollte die Legionellenschaltung aktiviert werden?
Wie oft dieser Vorgang ausgelöst wird, hängt von mehreren Faktoren ab, die bei der Einstellung der Anlage berücksichtigt werden sollten:
- Speichergröße und Nutzerzahl: Größere Speicher mit mehreren Verbrauchern bergen ein höheres Risiko für Keimvermehrung und werden deshalb häufiger durchgetaktet.
- Vorhandensein einer Zirkulationsleitung: Häuser mit zirkulierendem Warmwassersystem, wie es in Mehrfamilienhäusern üblich ist, benötigen in der Regel eine wöchentliche Aufheizung.
- Nutzungsintensität: Ferienhäuser oder selten bewohnte Wohnungen sollten vor erneuter Nutzung ebenfalls aufgeheizt werden, auch außerhalb des festen Rhythmus.
- Wasserqualität vor Ort: Härtegrad und Mineralgehalt des Leitungswassers können die Keimbildung begünstigen oder hemmen und damit die sinnvolle Taktung beeinflussen.
- Herstellervorgaben der Anlage: Viele Wärmepumpenhersteller hinterlegen werkseitig einen Standardrhythmus, der sich bei Bedarf über die Steuerung anpassen lässt.
In der Praxis hat sich ein wöchentlicher Zyklus als gängiger Kompromiss etabliert, der sich auch in technischen Regelwerken wie der DIN 1988-200 oder den Arbeitsblättern des DVGW wiederfindet. Diese Dokumente beschreiben allgemeine Hygieneanforderungen an Trinkwasser-Installationen, ersetzen aber nicht die individuelle Einschätzung durch einen Fachbetrieb, der die konkrete Anlage, die Nutzung und die örtlichen Gegebenheiten kennt. Wer unsicher ist, ob die werkseitige Einstellung zum eigenen Haushalt passt, sollte das Gespräch mit dem Installateur suchen, statt eigenmächtig an der Steuerung zu experimentieren.
Passend dazu haben wir einen weiteren Beitrag zum Thema: Wärmepumpe brummt nachts: Ursachen und Abhilfe bei Geräuschen.
Unterschiede bei der Anwendung der Legionellenschaltung
Unterschiede zeigen sich vor allem zwischen kleinen Einfamilienhäusern ohne Zirkulationsleitung und größeren Gebäuden mit mehreren Entnahmestellen, wie die folgende Übersicht verdeutlicht:
| Merkmal | Einfamilienhaus ohne Zirkulation | Mehrfamilienhaus mit Zirkulationsleitung |
|---|---|---|
| Übliche Richttemperatur | etwa 60 Grad Celsius | meist 60 Grad Celsius oder höher |
| Typische Taktung | seltener, oft alle zwei bis vier Wochen möglich | in der Regel wöchentlich vorgesehen |
Risiken bei falscher Anwendung
Eine falsche Anwendung der Legionellenschaltung kann zu unnötig hohen Energiekosten führen und die Effizienz der Wärmepumpe beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Einstellungen regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, um sowohl die Hygiene als auch die Energieeffizienz zu gewährleisten.
Fachgerechte Beratung und Anpassung
Es empfiehlt sich, bei Unsicherheiten stets einen Fachbetrieb zu Rate zu ziehen. Dieser kann die individuellen Gegebenheiten beurteilen und die optimale Einstellung für die Legionellenschaltung vornehmen. Eine regelmäßige Wartung der Anlage trägt ebenfalls dazu bei, dass die Wärmepumpe effizient und hygienisch arbeitet.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Legionellenschaltung bei Wärmepumpen?
Die Legionellenschaltung ist ein automatischer Vorgang, der den Warmwasserspeicher auf höhere Temperaturen erhitzt, um Legionellen abzutöten.
Wie oft sollte die Legionellenschaltung aktiviert werden?
In der Praxis hat sich ein wöchentlicher Zyklus als sinnvoll erwiesen, abhängig von den individuellen Gegebenheiten und Empfehlungen eines Fachbetriebs.
Warum ist die Legionellenschaltung wichtig?
Sie verhindert die Vermehrung von Legionellen im Warmwasser, die beim Einatmen zu schweren Lungenentzündungen führen können.
Welche Temperaturen werden bei der Legionellenschaltung erreicht?
Der Warmwasserspeicher wird auf mindestens sechzig Grad Celsius erhitzt, um Legionellen effektiv abzutöten.
Kann die Legionellenschaltung die Effizienz der Wärmepumpe beeinträchtigen?
Ja, da höhere Temperaturen mehr Energie erfordern, was die Effizienz der Wärmepumpe kurzfristig beeinträchtigen kann.
Zu diesem Beitrag: Mit KI-Unterstützung erstellt am 15.10.2026, kann Fehler enthalten.


